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Empfehlenswerte Fachliteratur
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«Ambulantes Operieren Praktische Hygiene». Autoren: Georg-Christian Zinn, Ernst Tabori und Peter Weidenfeller. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Franz Daschner. Verlag für Medizinische Praxis, 86438 Kissing, erste Auflage April 2006 ISBN-10: 3-938999-02-0 259 Seiten, Hardcover-Bindung. Zahlreiche Farbabbildungen und farbig unterlegte Tabellen.
Ambulante Operationen haben in den letzten Jahren enorm zugenommen. Auf Grund der in nächster Zeit zu erwartenden oder bereits eingetretenen Veränderungen des Gesundheitswesens mit der Etablierung von medizinischen Versorgungszentren und der Einführung der DRG-Abrechnung in den Krankenhäusern werden kurzzeitige, wenig risikobelastete Eingriffe im ambulanten Bereich weiter zunehmen. |
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Die Unsicherheit im Hinblick auf die einzuhaltenden Hygieneanforderungen in diesem Bereich war bisher sehr groß. Dies betraf nicht nur einzuhaltende bauliche Anforderungen, sondern auch die Aufbereitung von medizinischem Instrumentarium, die notwendigen Hygienekontrollen bei Sterilisationsgeräten und Desinfektionswaschmaschinen sowie die Erstellung von Hygiene- und Desinfektionsplänen. Mit dem vorliegenden Buch steht niedergelassenen Operateuren erstmals eine umfassende Einführung in dieses Gebiet zur Verfügung. Bei den Autoren handelt es sich um langjährig erfahrende Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin, zwei von den Autoren führen zusätzlich klinische Facharztbezeichnungen und haben entsprechende klinische Erfahrungen. Das Buch ist daher an keiner Stelle theoretisch oder abgehoben, sondern orientiert sich immer an den Bedürfnissen der Praxis. Die Gliederung des Buches erfolgt in rechtliche Grundlagen der Hygiene, bauliche Voraussetzungen und Bauplanung, Hygiene im Praxisbereich, Hygiene im OP, Hygiene bei der Anästhesie, Medizinprodukteaufbereitung, Infektionserfassung beim ambulanten Operieren und hygienisch-mikrobiologische Kontrollen. Zusätzliche Beiträge gehen auf spezielle Hygienemaßnahmen in bestimmten Fachgebieten wie z. B. der Ophthalmochirurgie ein. In Form einer CD-Rom sind dem Buch die aktuellen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zum ambulanten Operieren sowie ein Rahmenhygieneplan und einschlägige berufsgenossenschaftliche Vorschriften beigefügt. Ein Kernbeitrag ist derjenige über die Hygiene im OP, in dem zunächst die Einflussfaktoren auf das Wundinfektionsrisiko und anschließend die einzuhaltenden Hygienemaßnahmen dargestellt werden. Wichtig ist hier der Hinweis, dass OP-Masken nur noch während einer Operation im OP-Saal getragen werden müssen, während in den Nebenräumen und auf dem Flur keine Masken getragen zu werden brauchen. Sehr nützlich sind auch die Hinweise für das anästhesiologische Management. Beispielsweise können heute Narkoseschläuche, wenn patientennahe Bakterienfilter verwendet werden, für mehrere Operationen eines Tages verwendet werden und brauchen erst am Ende des Arbeitstages ausgetauscht zu werden. Große Unklarheit herrscht erfahrungsgemäß auch immer wieder über die notwendigen Klimaanlagen in ambulanten OP-Bereichen. Die Autoren stellen hier klar, dass eine wissenschaftliche Evidenz nur für Operationen mit Einsatz langfristig im Körper verbleibender Fremdkörper vorliegt. Bei allen anderen Operationen wird zumindest aus hygienischer Sicht keine Klimaanlage mit spezieller Luftfiltration gefordert. Die Autoren weisen somit zu recht darauf hin und dies kann zu einer erheblichen Kostenreduktion bei der Planung ambulanter OP-Zentren beitragen dass sogar eine Fensterlüftung im OP-Bereich vertretbar ist, wenn fugendichte und feinmaschige Fliegengitter vor den Fenstern angebracht sind. Nur bei besonders kritischen Operationen, also Durchführung von Gelenk- und Gefäßendoprothetik, müssen die Klimaanlagen hohen Standards genügen. Auch hier ist es jedoch ausreichend, lediglich den OP-Saal selbst mit einer solchen Reinraumtechnik zu versorgen. Das Buch gibt auch sehr gute Hinweise zur Strukturierung von Hygieneplänen und zu den routinemäßig durchzuführenden hygienischen Untersuchungen. Die Autoren empfehlen beispielsweise bei Sterilisationsgeräten nach wie vor noch die halbjährliche Prüfung mit den sogenannten “Sporenpäckchen“. Dies erscheint auch durchaus vernünftig und praxisnah, zumal sich die kostenträchtigen Validierungen in ambulanten Bereichen noch nicht allgemein durchgesetzt haben. Für Desinfektionswaschmaschinen empfehlen die Autoren die halbjährliche Prüfung mit artifiziell kontaminierten Bioindikatoren. Auch dies scheint neben den technischen Wartungen unbedingt sinnvoll. Ein Vorschlag für die nächste Auflage wäre, auch auf die inzwischen auf dem Markt verfügbaren TOSI-Prüfkörper (Test objects for surgical instruments) einzugehen, bei denen es sich um komplex aufgebaute, mit Blut kontaminierte Prüfkörper handelt. Bei Einsatz dieser Prüfkörper kann die Kontrollfrequenz auf monatlich erhöht werden, ohne dass wesentliche zusätzliche Kosten entstehen. Die korrekte Reinigungsfunktion einer Instrumentenwaschmaschine kann damit nachvollziehbar auch im Intervall zwischen biologischen Prüfungen belegt werden. Die Kapitel zu speziellen Hygienemaßnahmen in einzelnen Fachgebieten geben sehr nützliche praktische Hinweise für spezielle operative Eingriffe. Wichtig ist beispielsweise der Hinweis für Urologen, dass flexible Zysto-Urethro-Fiberskope entsprechend der kürzlich publizierten Empfehlung des Robert-Koch-Instituts nicht sterilisiert werden müssen, sondern dass eine Einlegedesinfektion für diese Geräte ausreicht. Für die nächste Auflage wäre es wünschenswert und noch praxisnäher, entsprechende Aufbereitungsschemata prototypisch als schriftlich fixierten Vorgehensstandard abzubilden. Wie in einer Erstauflage unvermeidlich, fallen an einzelnen Stellen Unstimmigkeiten und Widersprüche auf. Obwohl beispielweise im OP-Kapitel eindeutig darauf hingewiesen wird, dass Schmuck abzulegen ist und der Mundschutz Nase und Mund vollständig bedecken sollte, zeigt eine Abbildung gerade das gegenteilige, fehlerhafte Vorgehen. Generell fällt auf, dass die Farbabbildungen nicht immer mit dem Text im Einklang stehen und teilweise auch keinen Beitrag zum Informationsgehalt des Buches leisten. Für die nächste Auflage wäre eine Sichtung des Abbildungsmaterials und eine Fokussierung auf das Wesentliche zu wünschen. Insgesamt ein sehr gelungenes Buch mit vielen praktischen und nützlichen Hinweisen für operativ tätige, niedergelassene Ärzte. Der Preis von 89,00 € incl. MwSt. zzgl. Versand erscheint für dieses schön ausgestattete Buch einschl. der CD-ROM gerechtfertigt. Prof. Dr. med. M. Trautmann, Stuttgart |
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